Samstag, 03. Oktober 2026, 18.00 Uhr
Kardinal-Schwarzenberg-Saal, Kapitelplatz 3
In Zusammenarbeit mit dem katholischen Bildungswerk Salzburg
EIN ABEND FÜR MARIA THERESIA LEDÓCHOWSKA
Irene Schrattenecker liest Texte aus Sr. Maria Theresia Ledóchowskas Œuvre
Mitra Kotte (Klavier) spielt Kompositionen von Emilie Mayer (1812–1883), Dora Pejačević (1885–1923), Vítězslava Kaprálová (1915–1940), Cécile Chaminade (1857–1944)
und Louise Farrenc (1804–1875).
Irene Schrattenecker (c) privat
Maria Theresia Ledóchowska (1863 Loosdorf/Niederösterreich - Rom 1922) war eine ganz außergewöhnliche Frau. Die zierliche, zerbrechlich wirkende Gräfin aus polnisch-österreichischem Adel ließ ihr privilegiertes Leben als Hofdame der Großherzogin von Toscana in Salzburg hinter sich und widmete sich der Befreiung der Sklaven in den afrikanischen Ländern. Dafür setzte sie sehr erfolgreich alle ihr zu Gebote stehenden Mittel ein: als Publizistin, Verlegerin, Rednerin, Theatermacherin, Ausstellungs-Organisatorin, Museumsleiterin, Unternehmerin und Oberin der Ordensgemeinschaft Maria Sorg, die sie 1894 in Bergheim bei Salzburg gründete. 1902 verlegte sie das Generalat des Ordens nach Rom, wo sie auch starb und begraben liegt. 1975 wurde sie seliggesprochen. Die Selbstverständlichkeit, mit der Ledóchowska sich in Männerdomänen bewegte, ist erstaunlich. In einer Zeit, als Frauen in ihren Möglichkeiten noch arg eingeschränkt waren, sich außerhalb des für sie vorgesehenen, eng umschriebenen Bereichs kaum entfalten und kaum öffentlich wirksam werden konnten, überrascht Ledóchowska durch ihr selbstbewusstes Auftreten, das die Frage nach der Berechtigung für ihr Tun gar nicht erst aufkommen ließ. Der musikalische Beitrag des Abends eröffnet einen weiteren Zugang zur Epoche Maria Theresia Ledóchowskas. Die ausgewählten Werke von Komponistinnen aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert lassen jene kulturelle Atmosphäre hörbar werden, in der Frauen zunehmend begannen, ihre künstlerische Stimme öffentlich zu behaupten. So entsteht ein stimmiger Dialog zwischen Wort und Musik – zwischen gesellschaftlichem Engagement und künstlerischem Ausdruck – der den historischen Kontext erweitert und zugleich zeitlose Perspektiven eröffnet.
Mitra Kotte (c) Andrej Grilc