Lombardini  Quartett

 

Frauenstimmen 2020, 5. Konzert

Mittwoch, 21. Oktober 2020

19:30 Uhr

Domchorsaal, Kapitelplatz 3, Salzburg



 

Elisabeth Wiesbauer, Gloria Ternes (Violinen), Rosi Haberl (Viola), Cecilia Siphos (Violoncello) spielen Werke von Maddalena Lombardini-Sirmen (1745−1818)Felicita Blangini (1780–1844) u. Amalie Marie Friederike Auguste, Herzogin von Sachsen (1794-1870).

 

Maddalena Laura Lombardini-Sirmen (1745–1818) hatte ein abenteuerliches Leben: Ausgebildet als Geigerin am Ospedale dei Mendicanti, einem der vier Mädchenkonservatorien in Venedig, studierte sie u.a. auch bei Giuseppe Tartini in Padua. Nach ihrer Heirat mit Ludovico Sirmen ging sie zunächst mit ihrem Ehemann auf Konzertreise, dann ohne, und wurde in Paris, London, Dresden und St. Petersburg als Geigerin gefeiert. Auch als Sängerin trat sie auf und kassierte ihre ersten schlechten Kritiken. Ihre Streichquartette wurden 1769 in Paris unter dem Namen ihres Mannes gedruckt. Auch Leopold Mozart hatte diese Quartette in seinem Besitz.

Felicita Blangini (1780–1844) stammte aus einer wohlhabenden Turiner Familie und war die ältere Schwester des Komponisten, Sängers und Gesangslehrers Felice Blangini (1781–1841). Ihr Gesangslehrer war Girolamo Crescentini (1762–1846), Geige lernte sie bei Gaetano Pugnani (1731–1798), in Paris bei Giuseppe Puppo (1749–1827) und Alexandre Boucher (1778–1861). Darüber hinaus erhielt sie Kompositionsunterricht von Camillo Barni (1762–1840).

Um 1800 bildete Felicita Blangini als Bratscherin, zusammen mit den Geigerinnen Agathe-Victoire Ladurner, Clarisse Larcher und der Violoncellistin Thérèse-Rosalie Pain, ein Frauen-Streichquartett: „Diese vier Damen bildeten […] ein exzellentes Quartett und musizierten mit der ganzen Präzision, der Energie, dem Zusammenspiel und den Feinheiten, die diese so schwierige Gattung verlangt“ schreibt ein Kritiker. In der Folge konzertierte als Violinistin in Turin, Mailand, Wien und Paris und wurde 1805 war sie „Violinspielerin im Dienste der Kurfürstin von Bayern“ sowie deren Gesangslehrerin. Als ihr Bruder 1809 Generalmusikdirektor in Kassel wurde folgte sie ihm als Opernsängerin dorthin. 1813 heiratete sie den Hofbaudirektor Leo von Klenze, den späteren Architekten von König Ludwig I. von Bayern. Als sich das Königreich Westfalen nach der Völkerschlacht bei Leipzig (1813) aufgelöst hatte und Jérôme Bonaparte nach Paris geflüchtet war, übersiedelten Felice Blangini und das Ehepaar wieder Klenze nach München, wo es ihnen gelang, an die alten Beziehungen zum bayerischen Hof anzuknüpfen. (Vgl.: https://www.sophie-drinker-institut.de/blangini-felicita)

Amalie Marie Friederike Auguste, Herzogin von Sachsen (1794-1870) war in den 30er- und 40er-Jahren des 19. Jahrhunderts als Amalie Heiter eine der bekanntesten Lustspiel-Autorinnen Deutschlands. Sie hatte eine sorgfältige musikalische Erziehung genossen und schrieb mit 16 ihre erste italienische Oper, danach folgten weitere Opern, Kantaten und kleinere Werke. Als Komponistin nannte sie sich Amalie Serena. 

Das Lombardini Quartett, das sich nach der venezianischen Violinvirtuosin und Komponistin Maddalena Laura Lombardini Sirmen (1745–1818) benannt hat, wurde im Jahr 2016 gegründet. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, unbekannte Werke von in Vergessenheit geratenen Komponist*innen der Frühklassik aufzuführen und auf mit Darmsaiten bezogenen historischen Instrumenten auch klanglich den Ursprüngen des Streichquartetts nachzugehen. Wir sind mit der historischen Aufführungspraxis vertraut und spielen in etablierten Barockensembles. Maddalena Laura Lombardini Sirmen war eine Ausnahmeerscheinung, da sie als Frau eine Karriere als Berufsmusikerin verwirklichen konnte. Sie dient uns daher als Inspiration.

 

Elisabeth Wiesbauer studierte an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Musikerziehung und Violine bei Jussuf Karajev. Nach einem kurzen Ausflug ins Studium der Komposition folgte die Spezialisierung auf dem Gebiet der historischen Aufführungspraxis mit einem Konzertfachstudium Barockgeige an der heutigen MUK Wien bei Ulli Engel. Künstlerisches Masterdiplom mit Auszeichnung 2008. Meisterkurse bei Gottfried van der Goltz, John Holloway, Gunar Letzbor und Erich Höbarth. Wertvolle Impulse hinsichtlich Interpretation und Klanggestaltung erhielt sie in langjähriger Zusammenarbeit mit Michi Gaigg.

Sie ist Stimmführerin und zweite Konzertmeisterin bei den Orchestern barucco und Capella Leopoldina Graz, Gaststimmführerin beim Orchester Wiener Akademie unter Martin Haselböck. Seit 2009 ist sie ständiges Mitglied im L´Orfeo Barockorchester.

Als Solistin, Kammermusikerin und Orchestermitglied konzertiert sie auch mit zahlreichen anderen Klangkörpern bei führenden Festivals und Konzertreihen im In- und Ausland (Barocksolisten München, Accentus Austria, Concerto Stella Matutina, Piccolo Concerto Wien, Ensemble Klingekunst, Lombardini Quartett). Zahlreiche CD- und Rundfunkeinspielungen.

Von 2006-2017 unterrichtete sie an der Freien Musikschule Wien Violine. Seit März 2018 ist sie Professorin für Barockvioline an der Anton Bruckner Privatuniversität Linz.

 

Geboren und aufgewachsen in Deutschland, erhielt Gloria Ternes ihren ersten Geigenunterricht im Alter von 10 Jahren. Nach dem Abitur begann sie das Violinstudium an der Hochschule für Musik und Theater München, welches sie an der Universität Mozarteum Salzburg bei Prof. Lukas Hagen, dem Primarius des Hagen Quartetts, abschloss. Ihre langjährige Tätigkeit bei der Camerata Salzburg führte sie mit namhaften Dirigenten und Solisten neben zahlreichen Auftritten innerhalb Österreichs auf Konzertreisen in viele Länder Europas, nach Asien, Südamerika und in die USA sowie zu Festivals wie den Salzburger Festspielen, BBC Proms und dem Festival d'Aix-en-Provence. Mittlerweile widmet sie sich vermehrt der historischen Aufführungspraxis und ist mit der Barockvioline in verschiedenen Ensembles tätig.

 

Rosi Haberl ist als freischaffende Musikerin in zahlreichen Orchestern und Ensembles tätig, die sich der historischen Aufführungspraxis verschrieben haben.

Schon während des Besuchs des „Gymnasiums für Studierende der Musik“ in Linz begann ihre Auseinandersetzung mit historischen Instrumenten und Aufführungspraxis durch ein Studium in der Klasse von Michi Gaigg sowie auf mehreren Meisterkursen (Andrew Manze, Rachel Podger) und Sommerakademien.

Nachdem sie die ersten Jahre ihrer musikalischen Tätigkeit der Barockgeige gewidmet hatte, startete sie 2013 eine berufliche Laufbahn als Bratschistin, die sie als Mitglied von Orchestern wie z.B. L’Orfeo Barockorchester, Wiener Akademie und Bach Consort Wien zu internationalen Spielstätten und Festivals führten.

 

Cecilia Sipos ist eine leidenschaftliche Cellistin, Barockcellistin und Kammermusikerin. Sie ist Gründungsmitglied des Klaviertrios Ensemble Trisonante, des Lombardini Quartetts und des Barockcello-Quartetts Capella Santa Cecilia. Sie trat bei renommierten Festivals auf, u.a.beim ImpulsTanz Wien, der Styriarte Graz sowie dem Sommerfestival Grafenegg.

Cecilia Sipos studierte in Wien, Graz und Linz bei bedeutenden Musikerpersönlichkeiten wie Angelica May, Rudolf Leopold, Martin Hornstein und Claire Pottinger-Schmidt. Als Orchestermusikerin war sie Mitglied des Grazer Philharmonischen Orchesters (2003-2004) und des Niederösterreichischen Tonkünstler Orchesters (2005-2019).